Frankfurt stellt die Gottesfrage

Juni 9, 2009

Böse Zungen behaupten, der neu gestaltete Komplex Rossmarkt-Goetheplatz-Rathenauplatz in Frankfurt sei hässlich. Aber als öffentlicher Raum scheint er sich zu etablieren. Gestern war zumindest ziemlich viel los. Auf dem Rossmarkt feierte man Galizische Woche, auf dem Goetheplatz fand sich eine kleine Gruppe Demonstranten für Burma zusammen und auf dem Rathenauplatz standen sich ein Atheisten- und ein Christenbus gegenüber. Zum Schluss kam noch ein Preuße. Ein denkwürdiger Tag.

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Quo Vadis, Nowhere Man?

Mai 29, 2009

Der Regisseur Jim Jarmusch schickt nach Broken Flowers erneut einen einsamen Mann auf Odyssee. In The Limits of Control geht die Reise durch Spanien. Der Film führt vor allem seine eigenen Grenzen vor – und die sind eng gezogen.

Den passendsten (und leider nicht verwendeten) Song für den Film haben die Beatles geschrieben. Darin heißt es: “He’s a real nowhere man, sitting in his nowhere land, making all his nowhere plans for nobody.” Der Niemand trägt Anzug, zieht durch das Niemandsland Spanien und erledigt etwas. In Jim Jarmuschs “The Limits of Control” passiert nicht viel, es wird kaum gesprochen, es gibt keine Erklärungen. Müsste man den Inhalt twitterkonform zusammenfassen, so könnte man sagen: “Ein Mann führt einen Auftrag aus.”

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Spiel’s noch einmal, Sam – aber anders!

Mai 23, 2009

Wenn etwas von dem Film Casablanca im Kopf bleibt, dann ist es die Melodie von As Time Goes By. Wenn Ilsa den Pianisten Sam bittet, den Song noch einmal zu spielen, dann soll es um der alten Zeiten willen sein. Der Song ist 1942 bereits elf Jahre alt und stammt ursprünglich aus dem Musical “Everybody’s Welcome”. As Times Goes By ist für die Charaktere in Casablanca bereits ein (moderner) Klassiker, für die Zuschauer von heute ist er es erst durch diesen Film – kaum einer kennt das Original. Und obwohl das Lied zigfach gecovert wurde, bleibt die Casablanca-Version die bekannteste.

Die Coverversion ist ein bemerkenswertes Phänomen der Popmusik. Es ist unendlich variabel, es reicht von bloßem Kopieren über Neuinterpretation bis hin zum Plagiat – der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt und interessant wird es erst, wenn Künstler dieser Kreativität freien Lauf lassen. Lieder haben oft mehrere Leben, manche kommen in immer neuen Reinkarnationen wieder. Sie Verdanken sich der Tradition, Lieder nachzuspielen – und ohne diese Tradition gäbe es keine Musik. Doch was genau ist unter einer Coverversion zu verstehen?

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Angie & The Gang

Mai 23, 2009

Die Europawahl ist wichtig, aber sie lockt nur wenige in die Wahlkabinen. Um das zu ändern, rührt Bundeskanzlerin Angela Merkel die Werbetrommel. Gestern hat sie auf ihrer Tournee der Stadt Frankfurt einen Besuch abgestattet. Ein Erfahrungsbericht.

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Der Fluch der alten Dame

Mai 8, 2009

Skandal: Der Flughafenausbau soll eine Stätte der Menschheitsgeschichte zerstören – das will ein Bürgerverein aus Eddersheim entdeckt haben. Doch die Glaubwürdigkeit der «Beweise» ist dürftig.

Schlechte Aussichten für die Gegner des Flughafenausbaus: Der Wald wird gerodet, der erste Spatenstich für die neue Landebahn wird heute gesetzt. Das oberste hessische Verwaltungsgericht in Kassel sieht kaum rechtliche Chancen, die geplante Landebahn Nordwest zu verhindern. Doch der Verein «Bürgerinitiative für Umweltschutz Eddersheim» schüttelt nun ein letztes Ass aus dem Ärmel. Rettung verspricht die alte «Dame von Kelsterbach»!

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Star Trek: Faszinierend!

Mai 7, 2009

Vor einer Woche hat noch Wolverine dem Kinopublikum ein Prequel beschert, nun zieht Star Trek nach. Neu ist das Prinzip auch bei “Star Trek” nicht, im Fernsehen liefen bereits von 2001 bis 2005 vier Staffeln einer Serie, die vor der Zeit von Captain Kirk und Co. spielt. Nun hat die Prequel-Mode auch die Filmreihe erreicht, so dass nun nicht “Star Trek XI”, sondern “Star Trek: Episode I” im Kino zu sehen ist. Aber schon bald wird dem Kenner klar: Das ist nicht der Beginn der Geschichte, sondern ein Neuanfang in der Star Trek-Zeitrechung.

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Heimat

Mai 6, 2009

Ein Beitrag zum Thema Patriotismus in Deutschland von Gastblogger Kurt Tucholsky. Erstmals erschienen in dem Buch “Deutschland, Deutschland über alles” (Berlin 1929).

Nun haben wir auf vielen Seiten Nein gesagt, Nein aus Mitleid und Nein aus Liebe, Nein aus Haß und Nein aus Leidenschaft – und nun wollen wir auch einmal Ja sagen. Ja –: zu der Landschaft und zu dem Land Deutschland.

Dem Land, in dem wir geboren sind und dessen Sprache wir sprechen.

Der Staat schere sich fort, wenn wir unsere Heimat lieben. Warum grade sie – warum nicht eins von den andern Ländern –? Es gibt so schöne.

Ja, aber unser Herz spricht dort nicht. Und wenn es spricht, dann in einer andern Sprache – wir sagen ›Sie‹ zum Boden; wir bewundern ihn, wir schätzen ihn – aber es ist nicht das.

Es besteht kein Grund, vor jedem Fleck Deutschlands in die Knie zu sinken und zu lügen: wie schön! Aber es ist da etwas allen Gegenden Gemeinsames – und für jeden von uns ist es anders. Dem einen geht das Herz auf in den Bergen, wo Feld und Wiese in die kleinen Straßen sehen, am Rand der Gebirgsseen, wo es nach Wasser und Holz und Felsen riecht, und wo man einsam sein kann; wenn da einer seine Heimat hat, dann hört er dort ihr Herz klopfen. Das ist in schlechten Büchern, in noch dümmeren Versen und in Filmen schon so verfälscht, dass man sich beinah schämt, zu sagen: man liebe seine Heimat. Wer aber weiß, was die Musik der Berge ist, wer die tönen hören kann, wer den Rhythmus einer Landschaft spürt … nein, wer gar nichts andres spürt, als dass er zu Hause ist; dass das da sein Land ist, sein Berg, sein See, auch wenn er nicht einen Fuß des Bodens besitzt … es gibt ein Gefühl jenseits aller Politik, und aus diesem Gefühl heraus lieben wir dieses Land. Wir lieben es, weil die Luft so durch die Gassen fließt und nicht anders, der uns gewohnten Lichtwirkung wegen – aus tausend Gründen, die man nicht aufzählen kann, die uns nicht einmal bewußt sind und die doch tief im Blut sitzen.

Wir lieben es, trotz der schrecklichen Fehler in der verlogenen und anachronistischen Architektur, um die man einen weiten Bogen schlagen muß; wir versuchen, an solchen Monstrositäten vorbeizusehen; wir lieben das Land, obgleich in den Wäldern und auf den öffentlichen Plätzen manch Konditortortenbild eines Ferschten dräut – laß ihn dräuen, denken wir und wandern fort über die Wege der Heide, die schön ist, trotz alledem.

Manchmal ist diese Schönheit aristokratisch und nicht minder deutsch; ich vergesse nicht, dass um so ein Schloß hundert Bauern im Notstand gelebt haben, damit dieses hier gebaut werden konnte – aber es ist dennoch, dennoch schön. Dies soll hier kein Album werden, das man auf den Geburtstagstisch legt; es gibt so viele. Auch sind sie stets unvollständig – es gibt immer noch einen Fleck Deutschland, immer noch eine Ecke, noch eine Landschaft, die der Fotograf nicht mitgenommen hat … außerdem hat jeder sein Privat-Deutschland. Meines liegt im Norden. Es fängt in Mitteldeutschland an, wo die Luft so klar über den Dächern steht, und je weiter nordwärts man kommt, desto lauter schlägt das Herz, bis man die See wittert. Die See – Wie schon Kilometer vorher jeder Pfahl, jedes Strohdach plötzlich eine tiefere Bedeutung haben … wir stehen nur hier, sagen sie, weil gleich hinter uns das Meer liegt – für das Meer sind wir da. Windumweht steht der Busch, feiner Sand knirscht dir zwischen den Zähnen …

Die See. Unvergeßlich die Kindheitseindrücke; unverwischbar jede Stunde, die du dort verbracht hast – und jedes Jahr wieder die Freude und das »Guten Tag!« und wenn das Mittelländische Meer noch so blau ist … die deutsche See. Und der Buchenwald; und das Moos, auf dem es sich weich geht, dass der Schritt nicht zu hören ist; und der kleine Weiher, mitten im Wald, auf dem die Mücken tanzen – man kann die Bäume anfassen, und wenn der Wind in ihnen saust, verstehen wir seine Sprache. Aus Scherz hat dieses Buch den Titel ›Deutschland, Deutschland über alles‹ bekommen, jenen törichten Vers eines großmäuligen Gedichts. Nein, Deutschland steht nicht über allem und ist nicht über allem – niemals. Aber mit allen soll es sein, unser Land. Und hier stehe das Bekenntnis, in das dieses Buch münden soll:

Ja, wir lieben dieses Land.

Und nun will ich euch mal etwas sagen:

Es ist ja nicht wahr, dass jene, die sich ›national‹ nennen und nichts sind als bürgerlich-militaristisch, dieses Land und seine Sprache für sich gepachtet haben. Weder der Regierungsvertreter im Gehrock, noch der Oberstudienrat, noch die Herren und Damen des Stahlhelms allein sind Deutschland. Wir sind auch noch da.

Sie reißen den Mund auf und rufen: »Im Namen Deutschlands … !« Sie rufen: »Wir lieben dieses Land, nur wir lieben es.« Es ist nicht wahr.

Im Patriotismus lassen wir uns von jedem übertreffen – wir fühlen international. In der Heimatliebe von niemand – nicht einmal von jenen, auf deren Namen das Land grundbuchlich eingetragen ist. Unser ist es.

Und so widerwärtig mir jene sind, die – umgekehrte Nationalisten – nun überhaupt nichts mehr Gutes an diesem Lande lassen, kein gutes Haar, keinen Wald, keinen Himmel, keine Welle – so scharf verwahren wir uns dagegen, nun etwa ins Vaterländische umzufallen. Wir pfeifen auf die Fahnen – aber wir lieben dieses Land. Und so wie die nationalen Verbände über die Wege trommeln – mit dem gleichen Recht, mit genau demselben Recht nehmen wir, wir, die wir hier geboren sind, wir, die wir besser deutsch schreiben und sprechen als die Mehrzahl der nationalen Esel – mit genau demselben Recht nehmen wir Fluß und Wald in Beschlag, Strand und Haus, Lichtung und Wiese: es ist unser Land. Wir haben das Recht, Deutschland zu hassen – weil wir es lieben. Man hat uns zu berücksichtigen, wenn man von Deutschland spricht, uns: Kommunisten, junge Sozialisten, Pazifisten, Freiheitliebende aller Grade; man hat uns mitzudenken, wenn ›Deutschland‹ gedacht wird … wie einfach, so zu tun, als bestehe Deutschland nur aus den nationalen Verbänden.

Deutschland ist ein gespaltenes Land. Ein Teil von ihm sind wir.

Und in allen Gegensätzen steht – unerschütterlich, ohne Fahne, ohne Leierkasten, ohne Sentimentalität und ohne gezücktes Schwert – die stille Liebe zu unserer Heimat.

Der neue Patriotismus

Mai 1, 2009

Endlich: Die Deutschen haben ihren Patriotismus wieder! Eine Umfrage der “Identity Foundation” zum Nationalgefühl hat ergeben, dass 60 Prozent der Deutschen stolz sind, Deutsche zu sein. Super, es hat nur etwas mehr als 60 Jahre gedauert, dass die Patrioten wieder in der Mehrheit sind. 78 Prozent der Bürger würden sich wieder für die deutsche Staatsangehörigkeit entscheiden, wenn sie in Europa frei wählen könnten. 68 Prozent meinen sogar, “dass trotz aller Unterschiede Ost und West zusammengehören”. Hurra, wir müssen uns für (Ur-)Opas Taten nicht mehr schämen, dürfen wieder guten Gewissens das Deutschlandlied anstimmen und die schwarz-rot-goldenen Flaggen raushängen – auch, wenn nicht gerade die Deutsche Fußballnationalmannschaft spielt. Endlich: Die Optimismus-Kampagne “Du bist Deutschland” von 2005 und die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 zahlen sich aus.

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Krallen zeigen

April 30, 2009

Wenn Filmemachern nichts neues mehr einfällt, dann gilt das Prinzip “von vorn”. Ob Star Wars, Star Trek, Hannibal oder bald “Der Kleine Hobbit” – statt einer Fortsetzung erzählt man die “Vorgeschichte”. Natürlich: Denn wer kann schon die ganzen Verwicklungen von Herr der Ringe oder die psychologischen Hintergründe von Hannibal verstehen, wenn er nicht die Vorgeschichte kennt? So folgt nach der X-Men-Trilogie nicht etwa “X-Men 4″, sondern “X-Men Origins”, und der Plural verrät, dass man auch hier mit einer Fortsetzungsreihe zu rechnen hat. Den Anfang dieser Ursprungsserie macht Wolverine – der sperrigste, geheimnisvollste und damit interessanteste Charakter der X-Men. Doch dieses Prequel zieht das Problem mit sich, dass Wolverine seine Geheimnisse einbüßt und folglich langweilig wird.

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Schirn on the Rocks

April 25, 2009

Was macht man mit einer Gießkanne, einem Bügeleisen, einer Säge und einem Haufen von Eisquadern? Zum Beispiel die Schirn auf Eis legen. So begann die milde Nacht der Museen eisgekühlt am frühen Abend. „Schirn on the Rocks“ lautete das Motto eines weiteren „Playing the City“-Happenings, bei dem ein zwölfköpfiges Team im Hof der Kunsthalle die Eisblöcke zu einer Skulptur aufstellte. Die Idee geht zurück auf Allan Kaprow, der die Aktion bereits 1967 unter dem Titel „Fluids“ inszeniert hat. Besonders spektakulär war die U-förmige Wand zwar nicht, sah aber trotzdem ziemlich cool aus. Und außerdem zählt das Ereignis, denn etwas derartiges passiert nicht alle Tage. Schön gemacht!

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